Dry Needling und somatotope Akupunktur
Dry Needling - Triggerpunktakupunktur
Das dry needling, auch als Triggerpunktakupunktur bezeichnet, ist eine effiziente Form der Therapie zur schnellen Behandlung von akuten und chronischen Beschwerden/Schmerzen am Bewegungsapparat, die durch myofasziale Triggerpunkte verursacht werden.
Ein Triggerpunkt ist eine sehr kleine, entzündlich veränderte und lokal stets druckschmerzhafte Zone in einer definierten Muskelregion. Grundsätzlich hat jeder Mensch die Anlage zu Triggerpunkten, ob und in welchem Umfang sie aktiviert werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab, deren Rolle und Einfluss wissenschaftich noch nicht abschließend geklärt ist. Die von mir in der Praxis sehr häufig beobachteten Entstehungsmuster sind:
akute oder chronisch-wiederkehrende Überlastungsreaktionen der Muskulatur, z.B. das Ausführen neuer, ungewohnter Bewegungsabläufe oder hochrepetitiver, einseitiger Bewegungen ohne geeigneten Ausgleich.
alte, nicht gut ausgeheilte Verletzungen, die mit wenig effizienten Kompensationsmustern beantwortet werden.
längere Ruhigstellung (Schiene, Gips, etc.)
eine globale oder lokale Erhöhung des neuromuskulären Ruhetonus gepaart mit einer verminderten Durchblutung der Muskulatur, verursacht oder unterhalten durch hohe innere Spannung. Z.B. bei chronischem Stress oder nach traumatischen Erfahrungen.
bei manchen Menschen vermutlich auch eine (wie auch immer geartete) anlagebedingte Neigung zur schnelleren Aktivierung von Triggerpunkten.
Charakteristisch für aktive Triggerpunkte sind in der unmittelbaren Umgebung oder in entfernteren Regionen des äußerst druckempfindlichen Punktes wahrgenommene Schmerzen oder andere Beschwerden (Kribbeln, Taubheitsgefühl, Schwächegefühl, bis hin zu Ohrgeräuschen, Schwindel oder Sehstörungen!). Die Bilder zeigen exemplarisch häufige Triggerpunkte in blau/weiß und ihre jeweiligen Projektionszonen in rot. Gelegentlich ist der Triggerpunkt als sogenanntes “taut band”, eine feste Struktur, tastbar, aber das ist bei weitem keine conditio sine qua non, d.h. auch weiche Muskeln können aktive Triggerpunkte haben! Das von vielen Patienten als “Verspannung” wahrgenommene Gefühl wird dann oft versucht, mit Dehnübungen zu beheben, die jedoch den Triggerpunkt in seiner Aktivität oft nur noch mehr befeuern und das Problem verschlimmern.
Nach genauer Anamnese und Befundung des Beschwerdemusters und Ausschluss anderer Ursachen für die Beschwerden wird eine dünne Akupunkturnadel direkt in oder nahe an den durch Abtasten aufgesuchten Triggerpunkt vorgeschoben. Oftmals entlädt sich die lokale Spannung durch einen twitch, ein lokales Zucken des Muskels. Wenn sich die Muskelspannung und die Durchblutung in der Triggerzone wieder normalisieren, lassen die Beschwerden oftmals unmittelbar nach der Behandlung deutlich nach.
Die Behanldung des genadelten Areals mit dem Novafon erhöht im Regelfall noch den Behandlungserfolg.
Die TriAS-Technik des dry needling habe ich bei Dr. med. Wolfgang Kohls erlernt. Die Abbildungen stammen aus dem Kursskript.
Triggerpunkte im M. trapecius sind sehr häufig und können u.a. Nacken-, Kopf- und Gesichtsschmerzen verursachen.
Unser kräftigster Muskel, der M. glutaeus maximus, hat allein durch seine Größe schon viel Potenzial für Triggerpunkte. Oft ist er schwach und gleichzeitig überlastet, was die Aktivierung von Triggerpunkten fördert, die bei Schmerzen im unteren Rücken, im ISG-Bereich und im Gesäß selbst eine wichtige Rolle spielen können.
Der M. multifidus (auch gern als “die multifidi” bezeichnet) unfasst eine Gruppe kleiner, tief liegender Muskeln, die die Wirbelsäule stabilisieren und bewegen. Triggerpunkte hier können neben tiefsitzenden Rückenschmerzen auch Projektionen auf die Körpervorderseite haben.
Triggerpunkte in der Wadenmuskulatur, hier der M. gastrocnemius als oberflächlichster Anteil, aber auch im darunterliegenden M. soleus, sind recht häufig bei Knie- und Fußschmerzen und nahezu regelhaft bei der Achillodynie (Achillessehnenreizung), der Haglund-Ferse und dem plantaren Fersensporn beteiligt.
Somatotope Akupunkturtechniken
Sowohl die Ohrakupunktur als auch die Neue Schädelakupunktur nach Yamamoto (YNSA) zählen zu den sogenannten “somatotopen Therapien”. Im Gegensatz zur traditionellen chinesischen Körperakupunktur mit ihren hunderten von Punkten/Punktekombinationen stellt hier die schematische “Abbildung” des Körpers (= Somatotop) auf dem Ohr bzw. dem Schädel die Grundlage der Therapie dar. Es werden je nach Beschwerdebild in definierten Zonen auffällige Punkte aufgesucht und genadelt, um die dazugehörigen Körperregionen oder Organe regulierend zu beeinflussen. Die Meridiane aus der chinesischen Medizin können bei der YNSA in ihrer Gesamtheit über einzelne korrespondierende Punkte am Schädel beeinflusst werden.
Bei Kindern oder Menschen mit extremer Nadelangst kommen sehr dünne Nadeln oder japanische Goldkügelchen zum Einsatz.
Die YNSA durfte ich beim Entwickler der Methode, Dr. Toshikatsu Yamamoto, sowie bei seinen direkten Schülern, Dr. med. D. Zeise-Süss, Prof. Dr. med. F. Molsberger und Dr. med. J. Schleimer erlernen und vertiefen, das Verfahren der balancierten Ohrakupunktur habe ich bei Dr. med. Jan Seeber erlernt.
Die in der Gesundheitswerkstatt angewendeten Akupunkturverfahren kommen zum Einsatz bei:
orthopädischen Erkrankungen
akuten und chronischen Schmerzen
funktionellen internistischen Erkrankungen
Frauenerkrankungen
neurologischen Erkrankungen (hier vor allem YNSA)
leichten psychischen Befindlichkeitsstörungen
Raucherentwöhnung
