Der Atem
Atemtherapie und Atemphysiotherapie
Atemphysiotherapie, auch “physiotherapeutische Atemtherapie” genannt, ist ein Teilbereich der Physiotherapie und ein wesentlicher Bestandteil der nichtmedikamentösen Therapie bei Erkrankungen der Atempumpe, der Bronchien und der Lunge. Hierunter fallen z.B. COPD, Asthma bronchiale, Lungenfibrose, postinfektiöse Zustände (etwa nach schweren Lungenentzündungen oder COVID), Zustände nach Operationen bis hin zur Lungentransplantation und seltenere Erkrankungen wie die Lungensarkoidose oder der Alpha-1-Antitrypsinmangel.
Je nach Krankheitsbild kommen unterschiedlichste Behandlungs- und Atemtechniken zum Einsatz, um die Funktion der Atemwege bestmöglich wiederherzustellen oder zu erhalten und die allgemeine Fitness (Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination) aufzubauen. Ebenso werden Maßnahmen getroffen, die Beweglichkeit des Brustkorbs und der Pleura (“Lungen- und Rippenfell”) zu verbessern und das Zwerchfell in seiner normalen Funktion zu unterstützen. Auch die Narbentherapie nach größeren Operationen spielt eine wichtige Rolle.
Auch psychovegetative Beschwerdebilder sowie chronische Schmerzen können sehr gut durch atem(physio)therapeutische Maßnahmen unterstützend behandelt werden.
Bei Vorlage einer privatärztlichen Verordnung (mit und ohne Beihilfe) können Sie die Leistung Atemphysiotherapie bei Ihrer privaten Krankenversicherung einreichen!
Habituelle Hyperventilation und Atemcoaching nach Dr. Konstantin Buteyko
Atmen Sie oft durch den Mund, weil Sie das Gefühl haben, durch die Nase kommt nicht genug Luft durch?
Haben Sie oft das Gefühl, bei geringer Belastung Luftnot zu haben, ohne dass eine organische Atemwegserkrankung vorliegt?
Vielleicht haben Sie sogar schon beim Sprechen Luftnot?
Müssen Sie oft seufzen, gähnen, oder haben das Gefühl, keinen tiefen Atemzug machen zu können?
Dann könnte es sein, dass Sie habituell hyperventilieren und/oder ein dysfunktionales Atemverhalten haben. Die habituelle Hyperventilation darf nicht mit der bei Panikstörungen manchmal zu beobachtenden akuten Hyperventilation verwechselt werden. Sie beschreibt die “gewohnheitsmäßige Überatmung” , was schlichtweg ein Atemmuster ist, bei dem über lange Zeit pro Zeiteinheit mehr Luft bewegt wird, als dem tatsächlichen Bedarf entspricht.
Oft geht das Ganze mit einer ständigen oder zumindest zeitweisen Mundatmung und einem hochthorakalen Atemmuster (“Schultern hochziehen beim Atmen”) einher. In den allermeisten Fällen ist chronischer psychosozialer Stress die Hauptursache, aber auch nach Infektionskrankheiten wie COVID-19 kann dieses Phänomen auftreten. Unter Umständen werden dysfunktionale hyperventilatorische Atemmuster zusätzlich durch das Üben bestimmter Atemtechniken, die hyperventilatorischen Charakter haben, gefördert (Wim Hof Atmung, Kapalabhati, Bhastrika aus dem Yoga, usw.).
Die habituelle Hyperventilation hat das Hauptproblem, dass dauerhaft zu viel Kohlendioxid abgeatmet wird. Eine gewisse Menge an Kohlendioxid im Blut ist aber physiologisch erforderlich (Normokapnie) - zum einen, um den pH-Wert stabil zu halten und zum anderen, um das Abladen des Sauerstoffs im Gewebe zu erleichtern (Bohr-Effekt).
Wichtig dazu zu wissen ist, dass der Atemantrieb im Hirnstamm ausschließlich über die Messung des Kohlendioxid-Partialdruckes im Blut reguliert wird. Fährt bei körperlicher Anstrengung der aerobe, zelluläre Energiestoffwechsel hoch, fällt mehr Kohlendioxid im Blut an, es steigt in Folge der Atemantrieb - ein normaler physiologischer Anpassungsvorgang.
Wenn allerdings durch andauerndes Überatmen in Ruhe der Kohlendioxidpartialdruck im Blut zu weit absinkt (Hypokapnie), wird der Atemantrieb schon bei geringer oder keiner körperlichen Anstrengung ausgelöst - die Empfindlichkeit des Hirnstamms ist gewissermaßen nach unten verstellt.
Habituelle Hyperventilation/dysfunktionale Atmung kann zu mehreren Phänomenen und sogar gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen:
Gefühl der Atemnot bei geringer Belastung, bei optimaler Sauerstoffsättigung
Schwierigkeiten, die Nase als natürlichen Atemweg zu nutzen
häufiges Gefühl der “verstopften Nase”
häufiges Seufzen oder Gähnen
Gefühl des “nicht-durchatmen-Könnens”
Müdigkeit, brain fog
Asthma bronchiale (v.a. die belastungsinduzierte Variante)
periphere Durchblutungsstörungen (Gefäße verengen sich bei zu wenig Kohlendioxid im Blut)
auch ein erhöhter Blutdruck kann hiermit zusammenhängen
obstruktive Schlafapnoe geht ebenfalls oft mit einer dysfunktionalen Atmung tagsüber einher
Die Buteyko-Methode verfolgt zunächst den Ansatz, wieder ein physiologisches Atemmuster herzustellen, d.h. Nasenatmung, eher wenig Volumen bewegen, korrekte Zwerchfellaktivierung etc.. Zur Korrektur der verringerten Apnoetoleranz des Hirnstamms werden über längere Zeit spezielle Atemtechniken erlernt und durchgeführt.
Da das Ganze eine fachkundige Betreuung erfordert und auf längere Zeit ausgelegt ist, biete ich ein 4-wöchiges Einzel-Coaching an, vor Ort in der Praxis und/oder über zoom.
Long-/Post-COVID
Ein besonderer Teilbereich der Atemphysiotherapie ist die Behandlung von postinfektiösen Zuständen wie Long-/Post-COVID, aber auch Folgen anderer respiratorischer Infektionskrankheiten wie Influenza, RSV oder Mykoplasmen. Ich biete Ihnen hierfür eine ganzheitliche, individuelle, naturheilkundliche Begleitung kombiniert mit passenden atemphysiotherapeutischen Techniken an. Die Buteyko-Methode (s.o.) kommt hier sehr oft zum Einsatz. Falls Sie bereits einen spezifischen Reha-Aufenthalt hinter sich haben, begleite ich Sie gerne ambulant weiter, um die erlernten Strategien weiter zu üben und somit nachhaltig den Behandlungserfolg zu sichern.
Bei anhaltender immunologischer Fehlregulation (mit oder ohne Magen-Darm-Beschwerden) kann eine mikrobiologische Diagnostik und Therapie sinnvoll sein, bei myofaszialen Schmerzen kann Dry Needling, manuelle Faszientherapie oder die sanfte Schallwellentherapie mit dem Novafon zum Einsatz kommen. Auch global regulierende Verfahren wie Ohrakupunktur sind unterstützend sehr wirkungsvoll, eine gezielte Mikronährstofftherapie ebenso. An Ihre individuelle körperliche und geistige Belastungsfähigkeit angepasste Bewegungs/Yoga- und Achtsamkeitsübungen ergänzen das Programm.
Hinweis: Bei gravierenden Beschwerden empfehle ich zunächst die Vorstellung in einer speziellen, ärztlichen Long-COVID-Sprechstunde zur Feststellung der Notwendigkeit einer stationären Therapie.
